Nun ist es bereits früh und die frühen Vögel singen dem späten Schläfer. Ich bin noch wach, sie erwachen. Ich öffne alle Fenster und lasse den Gesang ein wie Geräusche einer Feierlichkeit in der Nachbarschaft meines Herzens. Ich werde schlafen, ich werde träumen, und den Gesang nehme ich mit. Daran ist gar nichts zu ändern. Dann verlasse ich die Kontrollzone und tauche in Sphären höherer Sinnlichkeit und werde Stunden später in einem Zustand und nach einer Erfahrung erwachen, die mich jetzt bereits neugierig stimmt. Lange Jahre das Lauschen verlernt. Zuviel Wille, zuviel Aktion, zuviel unterhaltsamer Blödsinn. Schaue ich mich um, sehe ich derart viel Anstrengung und Wollen und angsthaftes Zittern und Vibrieren ähnlich jenem der Vögel draußen, deren Gesang, so las ich, keineswegs schön, sondern panisch ist, erzwungen, bioprogrammatisch. Ich aber möchte schön denken und höre romantisch. Romantik ist, sagte ich heute (vorhin), wenn man nicht genau hinsieht. Ich ergänze nun: wenn man hindurch sieht.
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„Ich öffne alle Fenster und lasse den Gesang ein wie Geräusche einer Feierlichkeit in der Nachbarschaft meines Herzens..“
du kannst dichten wie Hölderlin
… boah …
aber wieso vermischst du später deine echte romantische wahrnehmung mit pseudowissenschaftlichen biologismen?
wer weiß denn, was diese so wunderbar singenden vögel im innersten bewegt?
glaubst du an die naturwissenschaft?
ich nicht, sry
„Feierlichkeit“
feiern ohne alkohol und verstärkern
wer kennt das noch?
du
du sagst so viel in diesem einen satz, und du sagst so viel über dich
und der gesang der vögel und deines herzens ist
schön
…
ich lese deinen Berliner literaturführer gerade zum zweiten mal
jetzt viel genauer als beim ersten mal und mit großem GENUSS
dieser mix aus information und sehr persönlicher reflexion ist sehr stark
es steckt auch eine enorme arbeit darin
setze doch diesen stil fort
ich stelle mir so etwas vor wie die „Wanderungen …“
dein habitus in den „Streifzügen …“ ähnelt sehr dem Fontanes
du bist ein flaneur mit herz und verstand
zur bereicherung aller, die sich mit dir auf den weg machen,
wenn du dein wissen preisgibst und dein urteil hinzugibst
danke für dieses buch und deinen blog
für diesen einen satz von dir gebe ich zwanzig neudeutsche romane
dieser satz ist musik, und du und diese welt sind die melodie