Wenn ich selbst derjenige bin, der anderen etwas vorliest, und diese anderen sind nicht gute Freunde oder Bekannte, sondern Fremde oder nahezu Fremde, und der Text, den ich lese, stammt von mir, befällt mich das sichere Gefühl, in die Manege gestiegen oder getrieben worden und ein Zirkuspferdchen zu sein. Ich zeige dann meine Kunststückchen, denn mit Artistik hat das Schreiben zu tun, auf die eine oder andere Weise. Die Zuschauer und Zuhörer machen sich fortan ein Bild von mir, das läßt sich nicht verhindern. Was ist das denn für einer, kann der was, weiß der was? Menschen machen sich stets ein Bild von allem, dem sie beiwohnen. Sie denken auch gern über andere Menschen nach und reden anschließend. Ich bin demnach etwas befangen und suche zunächst meine Stimme, die Betonung, den Rhythmus. Wenn ich beginne, weiß ich nicht, wie ich klinge. Ich bin kein Sänger, der sein Repertoire auswendig kennt. Doch den Sängern geht es nicht anders, ich habe gefragt. Ich versuche so gut ich kann, den Text, den ich vor Tagen vielleicht und in einer anderen Verfassung und Stimmung geschrieben habe, erneut zu erleben. Ich muß ihn fühlen, sonst bekomme ich ihn nicht gelesen. Nach ein paar Sätzen oder Absätzen werden wir eine Einheit. Der Text zieht mich in seine Logik, oder die Sprache besorgt das. Ab jenem Moment macht es große Freude, anderen, und seien es Fremde, einen eigenen Text vorzulesen. Ich kann ihn dann vertreten, vorher nicht. Vorher habe ich wenig mit ihm zu schaffen, er ist mir zu Teilen sogar unangenehm, erscheint mir aufgesetzt, künstlich, übertrieben, fabriziert. Ein Gefühl des Ekels kann mich überfallen, des Selbstekels, wenn man es genau bedenkt. Ob es anderen ähnlich geht, weiß ich nicht.
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eine frau anbeten, die ich verehre, mit worten, die ich nur teilweise aussprechen kann
kein zirkuspferdchen, das bist du ja gar nicht
du flüsterst deine worte in den sommerwind
der nimmt sie mit und trägt sie in die herzen deiner leser
und wenn deine stimme ertönt, schläft vielleicht einer ein, und die andere ist erregt, und deine worte streunen wie wild lebende, freie tiere durch den raum
vögel z.b., wie sie auf einem see den morgen begrüßen
plötzlich auffliegen, eine weile am himmel dahinziehen und sich wieder niederlassen
dieses überraschende, immer völlig neue erlebnis eines sommertages
gewürzt von dem, was dein herz bewegt
das ist schön und bleibt es
…