Der Sommer ist noch immer Thema. Es gibt Ansichten. Uns fehlt eine frische Brise vom Meer, sagt der türkische Kioskbesitzer. Er sagt auch: Wir brauchen etwas, um uns beschweren zu können. Ich sage: Wir haben gelernt, daß der Sommer auch eine Last sein kann, das wußten wir vielleicht nicht. Ich denke: Es ist gut, wenn ein Sommer von sich reden macht. Wir leben hier alle Tage halbe halbe und gemäßigt, sitzen mittig, rund und sicher, da besitzt es erzieherischen Wert, die andere Seite des Sommers und der Dinge kennenzulernen. Am Wochenende trumpft er noch einmal auf, dieser mächtige Herr, dann wird er herrschaftlich vergehen wie jede echte Majestät. In Erinnerung wird er bleiben als der heiße Sommer der Flüchtlinge. Warten auf Regen, Warten auf besonnenen Verstand. Manche Menschen hierzulande agieren wie aggressive Wespen, doch möchte ich nichts gegen Wespen vorbringen. Die haben ihre Geschäfte erledigt, die Königin ist tot. Nun schwirren sie noch ein wenig frei und lästig durch die Luft, wenig später werden auch sie gestorben sein. Kleine Leichen auf der Fensterbank, zusammengekrümmt und leicht wie nichts. Sie stimmen mich Jahr für Jahr melancholisch, doch diesmal ist es anders. Ich anerkenne die Macht und Herrlichkeit des Sommers und weiß fortan, daß er selbst hierzulande vermag. Ich werde ihm nachstaunen wie einer Erscheinung. Laß es Herbst werden, beruhige die Gemüter, sende goldenes Licht und guten Rat.
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