Die letzte Nacht war schwierig. Viermal kämpfte ich gegen den Tiger. Er kam jedesmal neu oder wieder, ich mußte alles aufbieten. Einmal ergriff ich ein Tablett und rammte es ihm unter die empfindliche Nase, einmal verrammelte ich die lädierte Tür von innen mit einem eilends vorgeschobenen Schrank, der schwankte und wankte, als sich die Großkatze von außen dagegen warf. Dann der Maschendrahtzaun, ich fühlte mich sicher. Aber ganz unten rechts war doch ein Loch, da wollte er hindurch. Ich trat ihm auf die Schnauze und schrie. Er fauchte, schlug mit der beachtlichen Tatze nach meinem Fuß, meinem Schuh, mit dem ich mich zu erwehren suchte. Gelänge ihm der Durchschlupf, es wäre vorbei mit mir. Ich wollte leben, ich kämpfte. Ich suchte eine Sperre, hielt Ausschau nach einem Stein von der Größe eines Medizinballs. Etwa so weit klaffte das Loch im Maschendrahtzaun. Der Tiger war grimmig, er wollte mich fassen und schlagen und töten. Ich wachte auf. Da war es Morgen und Dienstag. Nie zuvor habe ich von einem Tiger geträumt. Der Tiger war mein Lieblingstier als Kind. Ich versuchte oft, seine Silhouette zu zeichen, die interessante Streifentarnung, den schönen bedeutsamen Kopf. Jetzt griff er mich an. Tage zuvor hatte ich Freunden erklärt, daß Tiger und Mensch nicht koexistieren können. Der Tiger weicht nicht, ebenso wenig wie der Mensch. Die letzten Tiger wird man in zwanzig Jahren in den Zoos sehen können, nicht erleben. Erleben kann man sie dort nicht.
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