Biobiobio habe ich heute mittag auf die Schnelle geschrieben. Als ich aus dem Haus ging, dachte ich an andere Räume des Glaubens und „des Guten“ und fragte mich, ob dort ebenfalls ein einziges schmales Wort für eine ganze Idee, Weltanschauung und Lebensauffassung steht, ob man in ihnen ebenso penetriert wird. Das Fitneßstudio? Der Fanklub? Die Firma? Der Dancefloor? Die Armee? Die Kirche? Das Theater? Die Partei? Die Schule? Ich ging sie alle durch. An einzigen Wörtern kein Mangel.
Wer in der Bahn sitzt und die Häuser und Gärten vorübergleiten läßt, gerät ins lose Träumen. Ich dachte auch über Ironie nach und was sie bewerkstelligen muß, wenn Menschen sich nicht trauen zu sagen, was sie wirklich möchten oder denken. Die ironischen Schlagerhörer und sich bestätigenden Tarantino-Filmschlauberger, die superironischen Punkfans und halbironischen Elf-Freunde-Fußballfans, die achtelironischen Designstücksammler und viertelironischen Wein- und Whiskykenner. Die gibt es ja auch noch. Die Welt ist voll des Glaubens und Wünschens, der Anhängerschaften und Begeisterungen. Sei es, um sich cool, informiert und blasiert oder kultiviert zu zeigen. Oder Spaß zu haben auf jeweiligem Niveau oder auch leicht darunter. Oder zu genießen. Zahlreiche und harmlose Vergnügungen und Liebhabereien.
Vielleicht ist das ganz gut, träumte ich weiter. So sind sie alle divers beschäftigt und konzentrieren sich nicht auf die eine Sache. Denn wenn sie es täten, bekäme diese Sache Gewicht und dehnte sich aus und verdrängte die unterlegenen Sachen. Mit einem Mal wäre alles nur noch Bio, Body, Sex, Stärke, Macht, Stil, Geschmack, Bildung, Werbung, Erfolg, Verführung, Angeberei. Die Fanatiker zerstreuen und verstreuen sich — das ist das Gute an einer pluralistischen Gesellschaft. Eigentlich wird man sogar in Ruhe gelassen. Das übt sich.
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