Der Himmel heute, als sei vieles möglich. Der Wind schafft vierzehn Kilometer in der Stunde und ist damit dreimal schneller als ein Wanderer. Endlich ist es kühl genug, um frieren zu dürfen. Zur Aufmunterung Kaffee, ein Ritual. Während des Aufwachens tauchte die Frage auf, ob die Leute ganz allmählich und hübsch nacheinander durchdrehen. Nicht insgesamt und völlig, sondern politisch. Da sie die äußere Situation in sich nicht mehr verstanden bekommen.
Einer sagt zutreffend: „In Deutschland gibt es immer nur zwei Möglichkeiten: entweder man ist für Pegida und die AfD oder Das System ist schuld (Kapitalismus).“ Dazu der Satz eines Freundes in der Ferne, der sagte: „In Deutschland denkt man nicht.“ Sondern? „In Deutschland stellt man sich höchstens vor. In Deutschland möchte man, daß die Sachen so laufen, wie man sie sich wünscht. In Deutschland regelt man gern. In Deutschland ist man anschließend immer erstaunt.“
Mit einem anderen lief einmal eine Wette. Wir gaben Tipps ab, wer als nächstes die Nerven verliert oder von der Klippe springt. Das war damals, als Kreuzberg kippte. Die Veteranen starben oder wurden eingeliefert oder verfielen vollends den Drogen. Die neue Zeit war für sie nicht mehr zu bestehen. Was früher gegolten hatte, war keinen Furz mehr wert. Sex, Drugs, Rock’n’Roll und so’n Scheiß hätten sie genuschelt, wenn man sie nach ihren Werten gefragt hätte. Fragte aber keiner. Ihr Reservat war aufgelassen worden, man hatte ihnen zehn Jahre Zeit gegeben, sich darauf einzustellen. Sie wollten sich weder einstellen noch umstellen. Sie waren schon eingestellt, und zwar negativ. Blödes Touristenpack, grölten sie und nahmen noch einen Schluck.
Der Satz von Josef Neckermann kommt geflogen: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Für sein Versandhausunternehmen trifft dies zu. Kaufmännisch mag der Satz zutreffend sein, ansonsten klingt er mir zu opportunistisch. Übrigens ist es in Ordnung, unterzugehen. Man muß ja nicht gleich verblöden. Leben ist derzeit vielleicht noch etwas anstrengender als sonst schon. Da gibt man besser acht auf sich und sein Denken und pflegt die Werte, die das Leben unter Menschen angenehm und fruchtbar machen. Wenn halb Deutschland hysterisch wird, ist es die Pflicht der anderen Hälfte, cool zu bleiben. Wer cool ist, zeigt sich erst, wenn es heiß wird. (Ich wußte, daß dieser alte Werbespruch für Denim Original After Shave eines Tages zu etwas gut sein wird.)
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