Etwas fährt, etwas bleibt

Leider muß man fahren, wenn man Abschied genommen hat. Am Bus ist es nicht ganz so schlimm: Der Reisende steigt am Fahrer vorbei in den langen schmalen Gang und verschwindet hinter getönten Scheiben. Auf dem Bahnsteig ist es schwieriger: Der Scheidende sitzt auf seinem Platz, draußen vor dem Fenster stehen die anderen. Man kann sich noch sehen, aber nicht mehr miteinander sprechen. Da ist es gut, wenn die anderen gehen und nicht darauf warten, daß der Zug endlich anfährt, um dann die letzten Blicke zu senden und zu winken. Der kurze Schmerz ist dem langen vorzuziehen. Früher waren Abschiede noch schlimmer für mich. Heute denke ich an den Film Thunderheart, in dem der alte Häuptling sagt, daß es in seiner Sprache kein Wort für Abschied gebe. Tatsächlich entfernen sich nur Körper voneinander.


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