David Bowie ist tot, viele Nachrufe auf eine Pop- und Stil-Ikone, eifrige Überlegungen in Berlin, eine Straße nach ihm zu benennen. Während einer melancholisch gefärbten Schnellbahnfahrt machte ich mir vorhin ein paar kleine Gedanken über den Zusammenhang von Kunst und Künstlichkeit und die Bedeutung von Stil. Bowie war nie mein Fall. Ich habe in Blackstar (erschienen zu seinem letzten Geburtstag vor fünf Tagen) hineingehört, kaum mehr als hinein, dann wollte ich schon wieder heraus. Geschmacksfragen sind solche des Stils, also Entscheidungen für Selbstentwurf und wahrnehmbare Haltung, die stets auf Neigung beruht, einer Suche nach Eignung und Geeignetem, Zugehörigkeit durch Ausdruck. Bowie griff Trends früh genug auf, um nicht als Mitläufer identifiziert zu werden. Mit einigem Recht nannte man ihn Chamäleon, obwohl er an dessen laszive Faulheit niemals heranreichte. Leute aus dem Showbusiness sind nervöse Menschen, sie wittern unaufhörlich Chancen und Gefahren. Bowie künstlerisch fast schon ein Mann ohne Eigenschaften, schillernd und wandelbar wie der Widerschein elektrischen Lichts nachts in einem Vergnügungsviertel bei Regen. Die Treppe hinunter in den Keller, durch die gepolsterte Tür in den satinbespannten „Salon“ – dort gibt David Robert Jones den Bowie. Man darf Besonderes erwarten. Niemand ist dort unten noch selbst. Selbst ist loszuwerden, denn selbst ist langweilig. Selbst ist Herkunft aus langweiligen Verhältnissen. Deshalb viel von trügerischem Glanz und gespieltem Gefühl, vom „falschen“ Leben im richtigen. Sich verbergen, indem man sich zeigt. Musical.
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