Ein Film über andere, nicht mit ihnen

Der einzige Zeuge, ein Film von Peter Weir aus dem Jahr 1985 mit Harrison Ford und Kelly McGillis in den Hauptrollen. Ein kleiner siebenjähriger Junge, Angehöriger der Amischen in Pennsylvania, wird Zeuge eines Mordes und gerät deshalb in Gefahr. Der in dem Mordfall ermittelnde Detective Captain will den Jungen schützen, lebt unfreiwillig einige Tage oder Wochen bei den Amischen und verliebt sich in die verwitwete Mutter.

Den Film zu realisieren erwies sich als schwierig. Die Amischen verweigerten jegliche Zusammenarbeit mit dem Produktionsteam und lehnten das Gefilmtwerden als auch die Photographie als Verstoß gegen die Heilige Schrift ab, wo es (Exodus 20,4) heißt: „Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“

Dieses radikale Bildverbot beschäftigt mich. Daß sie sich und ihre Lebensweise nicht in einer Hollywood-Produktion, die an der Kasse erfolgreich sein muß, vorgeführt sehen wollten, läßt sich verstehen. Tatsächlich erscheinen sie in dem Film als exotisch Andersartige, als freundlich Zurückgebliebene, als provozierend altmodische Menschen, denen die moderne Welt nichts zu bieten hat außer Ärger und Zwietracht.

Man sollte sie unter Artenschutz stellen, mag der ihnen gewogene Zuschauer denken. Ich dachte, als ich den Film sah, daß sie eine Experimentalanordnung innerhalb einer Zivilisation sind, die dem Glück hinterher läuft, als sei es zu jagen. Ihre Ernsthaftigkeit beeindruckt und rührt mich. Als könne, als müsse man das Böse draußen halten und sei gezwungen, Reservate zu bilden. Glaubensgemeinschaften neigen zu solchen Extrementscheidungen, zu einer Alles-oder-nichts-Logik. Wir sind die Guten (unausgesprochen) – in dieser Annahme liegt ihre Daseinberechtigung, zugleich aber auch ihr uneingestandener Hochmut.


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