Hier und nicht dort

Manchmal weiß ich plötzlich nicht mehr, wie Schreiben funktionieren soll. Ich stelle mich dann wieder an wie damals. Damals, als Schreiben groß war und ich klein, meine Sätze nichts ergaben oder ihr Sinn mir unter den Augen zerfiel. Ich empfand mich als anmaßend, aufgeblasen, nichtig. Schreiben ist Scharlatanerie. Eine Rechnung mit lauter Unbekannten, ein elektrisches Kaminfeuer. Wozu eine Wirklichkeit aufs Papier zerren? Was soll das Besondere an ihr sein, daß sie eine Sonderbehandlung verdient? „Urlaubskracher zum Neuen Jahr“ – warum liegt dieser Flyer hier noch herum? Eine große bunte Wasserrutsche befindet sich auf dem Oberdeck der schwimmenden Wohnburg. Ich stelle mir vor, ich müßte jetzt dort sein, säße mit einer lächerlich bunten Badehose am Rand des Pools zwischen anderen Urlaubern mitten auf See und dächte darüber nach, wie ich meinem Leben ein Ende setzen kann. Ich frage mich, ob ich dort eine Situation vorfände, die solche Gedanken erforderlich macht. Hier ist es kalt, aber die Sonne scheint. Die letzten Tage des kleinen Monats laufen ab. Erste Ansätze von Optimismus im Gezirpe der Vögel. Auch sie warten auf Lebenssteigerung. So breche ich denn auf und ziehe müde meine Tagesbahn zwischen den anderen Versehrten.


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