Versprechen müssen

Der Sheriff sieht aus, als habe ihm jemand in den Kaffee gespuckt. Er verzieht beim Sprechen den Mund. Vielleicht ist die eine Gesichtshälfte schwerer als die andere oder ein nicht zu überwindender Ekel ergreift ihn. Wenn er schweigt, ist alles an seinem Platz. Nun fragt er: „Sie kommen nicht von hier? Wie ist Ihr Name?“ – „Dyer. Jeremiah Dyer.“ – „Und Sie stammen von wo, Mr. … Dyer?“ – „Boston, Massachusetts.“ – „Und treiben hier bitte was?“ – „Bin auf der Durchreise.“ – „Und knallen mir einen meiner Bürger ab, weil Sie denken, das macht man hier so?“ Der Sheriff rührt in seinem Becher und wartet auf die Antwort: „Mr. Dyer, ich höre.“ Jeremiah räuspert sich: „Der Tote forderte mich zum Duell, nicht ich ihn.“ Der Sheriff hustet, verschluckt sich, sagt: „Da war er noch nicht tot, was?“ – „Gewiß, da lebte er noch.“ – „Gibt es Zeugen dafür, daß er Sie zum Duell forderte.“ – „Der Saloon war voll, viele haben es gesehen und gehört. Man schloß Wetten ab.“ Jeremiah sieht zu Boden. Es ist gründlich gefegt worden. Er sieht den anderen, der nun tot ist, wieder vor sich. Das grobe Maul, aus dem die Flüche kamen. Die groteske Selbstüberschätzung eines trunkenen Mannes, der sich nicht im Griff hat. Er stand inmitten seiner Kumpane und fühlte sich stark und unwiderstehlich. Schulterklopfen, Gejohle, Männerkameradschaft. Los, Hank, zeig diesem Affen, wer hier das Sagen hat. Dann waren sie vor die Tür gegangen und hatten die Sache geklärt. „Der Tote hatte Familie, Mr. Dyer. – Mr. Dyer, hören Sie mich? Eine Frau ist nun Witwe, zwei Kinder weinen um ihren Vater.“ Das Gesicht des Sheriffs wirkt entsetzlich entstellt, zuletzt hat er gebrüllt. Nun steht er auf, er ist riesig, schaut von dort oben auf Jeremiah herab und sagt: „Bitte verlassen Sie nicht die Stadt, sonst müßte ich nach Ihnen suchen lassen. Halten Sie sich bereit. Sie hören von mir.“ Die Tür schwingt lange nach. Es ist, als sei er noch gar nicht fort. Jeremiah weiß nicht, was das zu bedeuten hat. Er bestellt sich ein Frühstück. Er weiß, daß er etwas an sich hat, das manche Leute ärgert.

 


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