Die schwarzen Wochen

Eine ungeheure Depression liegt über diesen Landschaften des Westens und des Ostens. Als erdrücke eine Wahrheit mit ihrer Schwere die Spürenden. Die Nachrichten sind übel und verstärken den Eindruck eines würgenden Niedergangs. In den USA macht sich ein Präsidentschaftskandidat ans Werk, dessen Ausstrahlung die eines Verkäufers ist, der mit einem Mikrophon um den Hals an seinem Stand für einen Reinigungsschwamm wirbt, der hartnäckigen Schmutz in Bratpfannen und Töpfen im Handumdrehen beseitigt. Ein alter Lebemann mit anzüglichen Witzen und einem Goldkettchen ums Handgelenk. Nur noch heute, greifen Sie zu, die Sensation für Küche und Herd. Die Europäische Union verhökert angelandete Flüchtlinge an die Türkei. Dort regiert ein Patriarch, der alle verklagt, die ihn lustig finden möchten, um nicht erschlagen zu werden von der Traurigkeit, die darin liegt, wenn ein großes Land nicht mehr hören möchte, was andere zu sagen haben. Allerorten die Rückkehr der nationalen Selbstgefälligkeit. Sich besinnen auf sich selbst, nennt sich das. Früher hieß es Egoismus, und da eine Nation vielleicht gar kein Ego besitzt, spricht man sinnvollerweise von Chauvinismus. Die Menschenmengen drehen allmählich durch und werden hysterisiert. Krise. Abstieg. Angst. Tollwut. Das reicht bis in die persönliche Sphäre hinein. Diese Depression ist keine Privatangelegenheit, sondern Resonanz. Wer sie nicht verspürt, mag sich glücklich schätzen. Rekordjahr für die deutsche Wirtschaft, falls das wen beruhigt. Uns geht es doch gut, sagten sie früher. Wann war das? Ich weiß nicht mehr. Irgendwann war das. Da aber nun der Tod so umfassend zu regieren beginnt – denn alle diese Entwicklungen münden in Kälte und Tod – beginne ich Idiot, das Leben in Frage zu stellen. Daran erkennt man, wie krank ich werden mußte, um zu begreifen. Das ist mein diesjähriges Pfingsterlebnis. Der nächste Eintrag kommt bestimmt.


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