Tag des thematischen Streunens. Interview mit Hartmut Rosa über Resonanz. Er nennt sie ein Weltverhältnis.
In mir hallt etwas wider. Ich fühle mich angeregt, benötigt, richtig. Ich agiere und reagiere im Einklang mit anderen, befinde mich mit ihnen auf einer Wellenlänge. Sender und Empfänger, empfangend und sendend, immer hin und her, sehr musikalisch, sehr befriedigend.
Der Gegenbegriff zur Resonanz ist Entfremdung. Meine Umwelt hat mit mir nichts zu tun, ich nichts mit ihr. Unverstanden sein, deplaziert, falsch. Frustration, Aggression, Selbstbekämpfung. Ein Musikstück bewegt mich, eine Stimme erregt mich, eine Aussage läßt mich aufatmen.
In einem anderen Interview weist Rosa auf mangelnde Resonanz an den Universitäten hin, auch auf Versuche, etwas dagegen zu tun: „In sozialen Medien vergewissert man sich seiner Weltbeziehungen, seines Platzes in der Welt. Solche Fotos sind Selbstvergewisserungsversuche, die auf ein prekäres In-der-Welt-sein hindeuten.“
Ich stimme zu, kann es aber nicht als sonderlich neues Phänomen identifizieren. Die fertigen Gesellschaften des Westens signalisieren seit Jahrzehnten: 1. Wir brauchen dich nicht. 2. Wir brauchen dich doch, wenn du so bist, wie wir dich wollen. 3. Mach dich recht hübsch zurecht, gib uns die Signale, die wir verstehen, und du bist dabei. 4. Ohne diesen Kompromiß bist du raus. 5. Viel Spaß und Erfolg im weiteren Leben.
Entsetzlicher Resonanzmangel. Ich suche mein ganzes Leben nach Resonanz und versuche meinerseits, sie zu erzeugen. Wenn ein jeder sich einkapselt und nichts von sich gibt, was soll dann zwischen uns sein? Ich vermute, eisige Luft oder eine gläserne Wand. Gute Nachricht aus Österreich: der neue Bundespräsident heißt Alexander Van der Bellen.
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