Die Fußballspiele der deutschen Mannschaft mit anderen zu sehen, ist kein Leichtes. Es gibt jene, die seit langem oder immer schon „gegen Deutschland“ sind. Sie gönnen ihm keine Erfolge oder fürchten, daß die Landsleute sich dann schlimm benehmen werden. Dann gibt es die lauten Rabauken, die „Hau ihn um!“ rufen oder auf andere Weise den jeweiligen Gegner verunglimpfen. Fußballchauvinisten. Die Mehrzahl besteht aus den Ängstlichen, die ihrer Mannschaft den Sieg wünschen, aber bei jeder gelungenen Aktion des Opponenten nicht nur unruhig sind, sondern panisch werden. „Nein, nein, nein“ wimmert jemand neben mir, nur weil es einen Nachschuß auf das deutsche Tor gibt. „Wie kann der dort so frei herumlaufen“, beschwert sich ein anderer. Auch der Gegner kann spielen, und zwar gut. Anhand dieses Zuschauerverhaltens läßt sich verstehen, daß es die german angst tatsächlich gibt. Sie besteht aus verschiedenen Komponenten: Jederzeit ist das Schlimmste zu befürchten. Das Schlimmste ist die Niederlage, denn auf die Niederlage folgt der Untergang. Deshalb muß sie mit allen Mitteln verhindert werden. Der Gegener darf nicht zu Chancen kommen. Höchstes Ziel ist die Sicherheit. Die erreicht man über Kontrolle. Kontrolle erwirtschaftet Dominanz. Verliert man sie, gerät alles ins Schwimmen und das Chaos bricht aus. Mit einem gewissen Durcheinander auf dem Spielfeld kommt die deutsche Mannschaft schwer zurecht, umso weniger das Publikum. Nun herrscht nackte Angst im Zuschauerraum. Eine ruhige Gelassenheit beobachte ich wenig. Auch scheinen viele Schwierigkeiten zu haben, die Leistung des Gegners (wie auch die der eigenen Mannschaft) zu erkennen und anzuerkennen. Recht schnell drängt, wenn es mal nicht richtig läuft, die deutsche Beschwerdementalität nach vorn: „Scheiß Spiel, so wird das nie was.“ Oder: „Penner, wofür bekommt ihr eure Millionen!“ Auf die Idee, daß der Gegner verdammt gut spielt oder sehr geschickt verteidigt, scheint kaum einer zu kommen. Steht es zur Halbzeit noch 0:0, macht sich Pessimismus breit. Ein Unentschieden bedeutet nämlich, daß der Gegner ebenso gut ist oder sein könnte, vielleicht sogar besser. Ich schließe daraus (verallgemeinernd), daß die Deutschen weiterhin nicht wissen, wer sie sind und was sie können. Sie geraten bei Ungewißheit in Unsicherheit, sehr viel schneller als andere. Nervlich sind die Zuschauer einem solchen Turnier gar nicht gewachsen. Ob die Mannschaft es ist, zeigt sich in jedem Spiel neu. Nach zwei Spielen, in denen undeutlich blieb, was das Team mit dem Mercedes-Logo auf der Brust vermag, mutieren die bangen Erwartungen zu Visionen des Untergangs. Den immerhin kennt man in Deutschland gut, das ist Heimatbild Nummer eins. Von dort stößt es uns fort und zieht uns deshalb an.
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