Im Zirkus der Ohnmacht

Im siebten Stock der Hölle – lesenswerter Beitrag von Laurie Penny über den Parteitag der Republikaner und die „Trolle“ der politischen Rechten. Sie unterscheidet jene mit Überzeugungen von denen ohne. Über den Führer der niederländischen Partei für die Freiheit, dem sie in Cleveland begegnet, schreibt sie: „Wilders ist am offensichtlichsten verhaltensgestört. Ihm gelingt es nicht, einen Satz zu Ende zu bringen. Seine Stimme driftet und er verliert sich, als sei er schon außerhalb des Raums unterwegs. Irgendwo hinter diesen leeren Augen brennt eine Mülltonne.“ Immerhin scheint er an das, was er sagt, zu glauben, während andere Figuren des politischen Pop-Zirkus portraitiert werden, deren „prunkvolle Unaufrichtigkeit“ bei den Anhängern besonders gut anzukommen scheint.

Penny ist „verblüfft von ihrer Bereitschaft, stolz zu sein auf Heuchelei, und diese als Stärke zu verstehen.“ Sie notiert: „Es verkauft sich. Es ist eine bittere Verbindung: Die seelenlose Debattenkultur, die so gut in Großbritannien funktioniert, eingepflanzt in eine Nation ohne soziales Sicherungssystem, aber mit einer halben Milliarde Schußwaffen. Es funktioniert. Zum Teil wegen der grundsätzlich kultähnlichen US-Kultur und der Ignoranz, die mit ihr einhergeht. Die USA sind eine Nation, die von ihrem eigenen Mythos gefressen wird – denn ihre Grundidee ist, an Unmögliches zu glauben. Keiner hat je gesagt, dieses Unmögliche müßte harmlos sein.“

An Pennys Reportage gefällt mir der alte (europäische) Ernst, demzufolge ein Politiker als ein Mensch mit Prinzipien erscheinen sollte, da Macht sich durch Verantwortungsbereitschaft legitimieren muß. Nicht so in den USA – dies zu demonstrieren wird uns die Trump-Show geboten, ein grelles Spektakel über die Bewußtseinslage einer offenbar zutiefst verunsicherten Nation. Trump verspricht, Amerika wieder stark zu machen. Dazu müßte er es heilen und die vielen Wunden, die es von seiner abenteuerlichen Irrfahrt nach ganz oben (und zurück) davongetragen hat, behandeln. Stattdessen reißt er sie noch tiefer auf und juxt sich über die Leiden seiner Landsleute hinweg. Das ist obszön, aber er ist nur ein Clown.


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