Manchmal dauert es, bis ich mich sprachlich und gedanklich finde. Ich sitze am Schreibtisch bereit und muß warten. Der Schreibtisch ist Werk- und Wartebank meines Tuns. Ich klappe den Rechner auf und blicke auf die gerahmte weiße Wand. Nicht immer weiß ich in solchem Augenblick, was geschehen wird. Heute liegen neben mir Notizen der Samstagnacht, als wir vor der Bar des Vertrauens auf einer schmalen Bank saßen mit Blick in die lange leere Straße und uns fühlten wie die, die nachsitzen müssen, während alle anderen Kinder bereits nach Hause dürfen. Der Klassenraum war ausgeräumt, unsere Lehrerin sah ab und an nach dem Rechten. Wir sollten noch büffeln. Das war das seltsame Wort. Mein Sitznachbar blieb länger. Vielleicht kommt noch wer, sagte er. Wer sollte kommen, fragte ich. Vielleicht eine schöne Flaschensammlerin, sagte er und grinste. Lausbubenhaft wäre das Wort dafür. Es gibt auch den Spitzbuben. So nannte man in meiner alten Heimat die kleinen Gauner und Trickser. Gestern war ich unglücklich, weil ich nichts schreiben konnte. Ich habe es wirklich nötig. Auch ein schöner Satz, meist vorwurfsvoll gesprochen: Du hast es ja nötig … Ich gehe meiner Lieblingsbeschäftigung nach: dem Springen von Feld zu Feld. Am gestrigen Sonntag des Unglücks erinnerte ich mich an ein Spiel namens Gummitwist. Die Mädchen spielten es auf dem Pausenhof. Ich spielte manchmal mit. Es war nicht so aufregend wie Fußball, machte aber Spaß. Es gab diese Grenzen zwischen dem, was Mädchen, und dem, was Jungen tun. Ich wollte mit den Jungen und mit den Mädchen sein. Obwohl man das sollte, fand ich die Mädchen nicht doof. Sie waren anders, und das interessierte mich. Wir lebten nebeneinander her wie zwei Völker, die sich noch nicht kennenlernen dürfen.
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