Die Sätze – ihre Last und ihre Leichtigkeit. Manchmal wiegen sie schwer, doch dann wieder sind sie wie der leise Wind, der eine weiche Flaumfeder berührt und bewegt. Ein Hauch nur, eine Andeutung, wichtig für den, der sie spürt. Die Sprache des Alltags ist grobhin mit besorgten Untertönen. Sie dient zunächst der Orientierung, dann der Navigation. Überdies ist sie gemeinschaftliche Versicherung. Der einzelne Sprecher gleicht sich ab. Ja, dieser Sommer ist noch da.
Sätze – vielleicht verschweigen sie mehr als sie sagen. Sprechen ist Aussagen. Aussagen und Schweigen verhalten sich zueinander wie Positiv und Negativ. Zu einem Aussagesatz gehört mindestens sein Gegensatz – wenn nicht noch mehr. Verbergen durch Sprache – ist das nicht auch ihr Sinn? Habe ich nicht sprechen und schreiben gelernt, um mich schützen zu können? Ja, ich weiß und höre auch den Einwand: das Benennen und Verständigen sind doch wichtig.
Sprechen ist Aussagen: mein oder dein Angebot einer Version von Wahrheit. Nimm es bitte so auf, wie ich es möchte. Versuche immerhin zu verstehen, daß ich mir Mühe gegeben habe, eine glaubhafte Version zu entwerfen. Ein Spiel mit Verständnis und Verstehenwollen. Gegenteil dessen: nichts akzeptieren, nicht entgegenkommen, Unverständnis aufbauen wie eine Phalanx, aus der Spieße ragen. Sprache referiert auf Wirklichkeit, heißt es. Wessen Wirklichkeit und Macht, sie zu bestimmen?
Die vielen oder wenigen Worte machen zehn Prozent, hörte ich kürzlich. Der große Rest der Verständigung zwischen Menschen findet anders statt, fern oder jenseits des gesprochenen Worts. Lesen und zuhören lernen bedeutet demnach, auch das Nichtgesagte aufzurufen, denn es enthält das Mitgesagte. Kann man üben.
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Lasse doch bei der „weichen Flaumfeder“ das Attribut weg, es klingt pleonastisch. Ansonsten: ein traumhafter Satz …
Überhaupt beherrschst Du sehr schön die Kunst, Philosophie poetisch zu gewanden.
Reden und Schweigen wie Positiv und Negativ, naja, aber das Negativ (einer Photographie) ist natürlich kein logischer Gegensatz, es ist nur ein gespiegeltes Abbild. Von daher verstehe ich den „Gegensatz“ nicht wirklich – inhaltlicher – also logischer – Widerspruch (Antithese), oder Abbild auf anderer (vielleicht Meta-) Ebene, in anderer Dimension?
Tja, Verbergen, Worte wie Kleider, Schutz der Scham – „Ach, der Menge gefällt, / was auf dem Marktplatz taugt“, Hölderlin; und dann dieses selbstzerstörerische Anything-goes heutzutage -, sehr fein, ich bin sehr bei Dir.
Jesus: „Darum rede ich zu ihnen durch Gleichnisse. Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht, und mit hörenden Ohren hören sie nicht; denn sie verstehen es nicht.“ Matthäus 13,13
„Nimm es bitte so auf, wie ich es möchte. “ Ich bitte Dich, träume weiter. Du wirfst etwas in die Luft und gibst es frei, was geht es Dich an, was ich daraus mache. Die Crux des Schöpferischen, des Zeugens und In-die-Welt-Setzens. Elternschaft. Was wird aus den Kindern? Aber freue dich doch darüber, wenn Deine Hörer und Leser selbstständig weitermachen – auch wenn sie sich vielleicht von deiner Ursprungs-Intention entfernen. Du hast – durch Deine Schöpfung – einen schöpferischen Prozess ins Leben gerufen … das ist doch schön … und groß … wunderbar.
Und wenn es Dich kümmert, drück‘ es nächstes Mal klarer aus …