Wie lange geht das eigentlich so – daß man sich gekennzeichnet sehen möchte durch das, was man kann, und nicht durch jenes, was nicht und niemals gelingt. Spricht nicht beides, spricht eins von beiden nicht deutlich genug? Solange man sich stark wähnt, wird es für die kleinen Wahrheiten reichen, für dieses ein Richtig und für jenes ein Falsch. Hinter den unzähligen Wahrheiten liegt ein leerer Raum des Schweigens ohne Temperatur. Die Aufregung ist dort chancenlos, die Tränen sind umsonst. Dieser Raum ist nicht abgesperrt; jeder kann hin, doch nicht sofort. Es gibt keine Grenze, keinen Zoll, Ausweis unnötig – wer auch sollte ihn ausstellen. Tritt ein und sei leise, sieh dich um. Hinter dir tobt die Welt, wie wir sie kennen. Sieh die Narren, sie streiten um einen Streifen Land und töten sich mit der Wollust alter Stämme. Das aufgerissene Maul eines Mannes mit einem Mund voller Zähne; er brüllt seine alberne Parole vom Sieg, irgendeines Siegs für irgendeine Sache. Lieber sind mir die reinen Mörder, die tun es ohne Begründung. Der Blick zurück wie durch eine schalldicht abschließende Scheibe. So geht man spazieren durch die Wüste. Ich war einer von euch.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.