Schwarz und naß liegt die Straße unter den Laternen in fahlem Licht. Weiter hinten springt die Ampelanlage von Grün auf Gelb. In der Villa sitzen sie in gesprächigen Runden um Tische, auf denen eine Kerze brennt. Früher verkauften sie in diesen Räumen häßliche Teppiche und einmal auch ein Kinderbett, ein besonderes Bett in Form und Farbe eines feuerroten Formel-1-Boliden von Ferrari, wie Michael Schumacher ihn fuhr, als er noch fahren konnte und Weltmeister wurde. Früher begeisterten sich die Familien der unteren Schichten noch an Siegen der Schnelligkeit und wünschten ihren ebenso begeisterten Söhnen eine schnittige Fahrt in den Schlaf. Seitdem (vier oder fünf Jahre mag es her sein) hat die Geschwindigkeit etwas von ihrem Renommee eingebüßt, wie mir scheint. Die Straße ähnelt einem schwarzen Gletscher, dessen mittelstreifig markierte Zunge hangabwärts läuft, hinunter ins Tal der leuchtenden Felsen, vorbei an einem Kino, das Filme zeigt für Leute wie jene, die in der Villa hinter Glas sitzen und reden: Captain Fantastic mit Viggo Mortensen, ein Film über das ehrlichere, sauberere und bessere Leben in den Bergen (mit Familie), bis man eines Tages zurückgerufen wird in die Wirklichkeit, beispielsweise dieses Abends, an dem kein Auto unterwegs ist und niemand auf der Straße geht oder daneben, nämlich dort, wo man gehen soll. Die schwarzen Gletscherbahnen sind ja gar nicht für Menschen gemacht, sondern für Fahrzeuge, die gesteuert und befeuert werden von Leuten, die nach eigenen Gesetzen unterwegs sind im Universum des Schmerzes und der Lust. Hätte ich einen Ferrari, ich führe bis an den Rand der Hölle und pißte hinein, nur so zum Spaß.
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