Anblick Erscheinung Aussicht

Es gibt auch jene anderen Visionen, in denen nicht darauf gezielt ist, eine bessere Welt nach der Fasson eines begrenzten Geistes zu schmieden: jähe Offenbarungen, Zustände tieferer Einsicht, Einblicke in den größeren Zusammenhang. In ihnen erfährt der auf diese Weise Bevorzugte oder auch Heimgesuchte (denn die Bilder sind stark) ein Aufscheinen des Sinns. In solchen Visionen spielt menschliche Moral eine untergeordnete Rolle. In ihnen wird deutlich, daß das Leben ein Verschlingen und Gebären ist, in denen die gefährlichen Gewalten sich die Waage halten. Das Ganze ist das Gut, und was es enthält, ist unabstoßbarer Teil. Das Aussortieren in tugendsam und nicht statthaft folgt allein menschlichem Bedürfnis. Einen Gott dafür heranzubemühen zeugt von der Unverschämtheit des Menschen. Seine Geschäfte muß er weiterhin selbst verantworten. Gott ist nicht auf irgendeiner Seite. Dies den Menschen klarzumachen ist Aufgabe zukünftiger und vermutlich erfolgloser Wanderprediger. Stattdessen werden die anderen uns zu bezirzen versuchen mit ihren alten und neuen Versionen SEINES Willens, den zu lesen und zu vollstrecken sie berufen sind. Ich habe Mitleid mit Gott, schrieb eine sehr kluge Schülerin. Man sollte Taoist werden. „Der Sinn, der sich aussprechen läßt, ist nicht der ewige Sinn. Der Name, der sich nennen läßt, ist nicht der ewige Name.“ Das führt weit hinaus aus der Enge unserer Verhältnisse.


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