Der Mond sieht nach, was mit uns los ist

Der „Supermond“ ist heute nacht zu bestaunen. Das Wort ist unschön. Es mag einen Superbowl oder Supercup geben, aber unseren guten alten Mond würde ich nicht unter Rekordverdacht nehmen. Mal ist er uns näher, mal ferner. Heute ist er uns sehr nahe, schreiben sie, so nahe wie seit siebzig Jahren nicht mehr. Am 25. Dezember 2034 wird er uns allerdings noch näher sein, was immer dann hier los ist.

Man sollte in Mondbahnen denken, zuverlässig, ruhig und berechenbar. Ich empfinde stets eine Art Rührung, wenn ich das Licht des Mondes beobachte oder er plötzlich über einer Straßenschlucht aufscheint. Aufklärung und erlerntes Faktenwissen ändern nichts an seiner sprechenden Bildhaftigkeit. Oft sieht man das „Gesicht“. Manchmal strahlt er kalt und grausam, zu anderen Zeiten wirkt er fruchtig und überreif wie Fallobst.

Ich werde nachsehen und rechne mit reichem Silberglanz, einer Münze, eines Tellers, eines Medaillons. Vorhin stand er über dem Friedhof, und die Bäume warfen Schatten. Wir unterhielten uns darüber, ihn zu photographieren – für diejenigen, die ihn nicht sehen können. Ich denke, das mißlingt. Photos von Landschaften sind keine Landschaften, sondern Photos von Landschaften. Aber das weiß ja jeder. Ich sehe auch nicht aus wie mein Paßphoto.


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