Ein Spinner, ein Gaukler, ein Spieler, ein Clown. Demnächst Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Gebete haben nicht gefruchtet – Donald Trump wird ins Oval Office müssen, entgegen seiner eigenen Einschätzung der Lage, seinen schlimmsten Befürchtungen entsprechend. Er wirkt völlig hilflos. Die Sprüche zünden nicht mehr, die Provokationen wirken schal. Ein Fisch auf dem Trockenen, ein Komödiant als tragischer Held. Er hat überall gelesen, wie schlimm er sei. Das hat ihm Auftrieb gegeben, ihn belustigt. Blöde Schnepfen, blöde Korrektärsche, blöde Tagesschreiber – er konnte sie kaufen oder kaltstellen, es blieb einerlei: sie waren nicht wichtig. Jetzt soll er staatstragend sein, muß es, wenigstens so tun, als sei er es. Er hat sich bisher nicht verstellt, nur gespielt, und konnte kaum verlieren. Er weiß, wie man die kleinen und mittleren Fische begeistert, bezirzt oder besticht, aber er weiß nicht, wie es auf dem schlüpfrigen Parkett der politischen Diplomatie zugeht. Er hat sich in die Schlangengrube wählen lassen und ist schlecht bewaffnet. Wer ist Freund, wer ist Feind? Der Staat ist kein Unternehmen, man kann ihn nicht von oben führen, Anordnungen treffen und ein Projekt knallhart durchziehen. Man braucht Verbündete – aber wen? Er ist ein Neuling, er sieht nicht klar. Er sagt hier was und da was. Alle machen sich ihren kleinen Reim und wissen ja ohnehin, daß er ein Scheusal ist, ein Alien, ein Tier. Die Sache wird ernst, selbst für den Spieler, den Gaukler, den Clown, wenn alle ihn ansehen und warten, warten, daß etwas Entscheidendes passiert. Der erfolgreiche Kandidat ist einsam. Bereits jetzt sehnt er sich zurück in den Wahlkampf, als er noch wußte, wen er beleidigen darf. Nun soll er (gewissermaßen) über dem Streit stehen, ausgerechnet er, der im Streit sich selbst am schönsten erlebte. Da haben auch noch alle gelacht, nun macht er niemandem mehr Freude. Er schläft jetzt schlecht und sagt Sätze, die er nie zuvor aus seinem Mund gehört hat. Er sondiert die neue Lage, sie ist verworren und bizarr, äußerst kompliziert. Gut, daß er noch Zeit hat, sich für diese unliebsame Herausforderung auszurüsten. Das erste Mal in seinem Leben mag er sich vorkommen wie ein Hasardeur.
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