Schlag auf Schlag in schneller Folge

Das Gehirn arbeitet wie besessen an unterschiedlichen Lösungen für unterschiedliche Probleme. Es rattert durch die Registratur, zieht die einzelnen Fälle heraus, untersucht und vergleicht, entwirft einen Schlachtplan. Möglicherweise ist es ein schlechter Stratege, hat sich in die Defensive drängen lassen und ist nun darauf angewiesen, rechtzeitig und richtig zu reagieren. Jedenfalls herrscht Alarm, die Mobilisierung hat begonnen. In diesem Modus weiter, ein ganzes Jahr oder mehrere Jahre lang. Immer auf der Hut, mehr gejagt als jagend – in einem Spiel, das Leben heißt und Zustimmung verlangt. Doch man hat mich nie gefragt. Niemand wurde je gefragt. Die Wirklichkeit war stets vorhanden, mal sah sie so, mal anders aus. Es dauerte, ehe man durchstieg, ehe man kapierte. So läuft hier der Hase, anders läuft er dort. Systeme und Positionen – darum geht es. Jetzt noch Bewegungen einbauen und sie zu lesen lernen, sie ausführen wollen. Vor allem das: sie ausführen wollen. Denn die Sorgen können einen zuschütten, bis man unter ihnen begraben liegt wie ein freiwilliges Opfer. Der Widerstand ergibt sich nicht von selbst, ihn verantworten die Geister oder rufen ihn hervor. Die Geister – das sind die körperlosen Träger alten Wissens und unabgegoltener Wahrheiten. Die fordern ihr Recht und versuchen zu wirken. Nicht in den äußeren Räumen, sondern innen. Das Geisterkonzept ist dem der Psychologie überlegen, da es den Makel nicht in der Person sucht, sondern außerhalb ihrer. Den Teufel sollte man aus dem Spiel lassen, das ist Hollywood (Linda Blair 1973) oder anderes. Die Praktiken des Exorzismus interessieren mich wenig oder schrecken mich ab. Ich finde sie primitiv. Wundergläubigkeit wird mißbraucht, das ist widrig. Aber die Geister müssen sprechen. Ich kann sie in Anführungszeichen setzen als „die Geister“, das ändert nichts. Sie dürfen mich informieren, sie dürfen klagen und ächzen. Doch nach ihrem Vortrag entscheide ich, wie es weitergeht. Manche Menschen sind wie besessen von der Angst und wissen nicht, woher sie kommt. Andere verirren sich notorisch und vergreifen sich in allem, was sie anfassen oder tun. Was lenkt und leitet sie? Gedanken und Gefühle, sicherlich. Die stammen alle aus der Vergangenheit und stellen sich wie gewünscht neu zurecht. Man erkennt sie wieder, sie nicken sogar. Zuverlässige Kräfte, die dafür sorgen, daß alles bleibt, wie es war. Ich werde mit meinen „Geistern“ reden, was bedeutet, daß sie reden. Sie haben zu erzählen, ich werde mich vervielfachen müssen, um genug Ohren zu haben für diese vielen Geschichten. Ich bin nicht diese Geschichten, aber die Geschichten scheinen das anzustreben. Es darf niemand frei sein, rufen die Gefangenen. Das Gehirn macht bei der Befreiung mit, aber es braucht Leitung. Sonst rattert und tackert es weiter in seiner Werkstatt herum und verliert sich in den Schaukästen der unterschiedlichen Schlachten und Modelle.


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