Sind diese Tage die schlimmsten seit Jahren, hat eine Verfinsterung die westliche Welt ergriffen, seit der neue Präsident inauguriert wurde? Journalisten, Experten und Kommentatoren schärfen an ihm ihren Witz oder Geist, die Millionen an den Geräten tippen, wischen, montieren, klicken und senden sich die Finger wund. Trump als Topthema der Social Media. Hunderttausende auf den Straßen, um gegen Think Big and Kick Ass zu demonstrieren, den größten anzunehmenden Unfall in der Geschichte amerikanischer Präsidentschaftswahlen. So in etwa das Bild, das ich mir machen könnte. Es wird mir nahegelegt, wenn nicht empfohlen. Ich soll wachsam sein und mich nicht daran gewöhnen, daß ein solcher Mann ein solches Amt bekleidet. Daß er das darf, scheint Skandal genug. Er unterhöhlt die Demokratie, heißt es, doch er wurde demokratisch gewählt. Die Demokratie hat also bereits versagt? Viel ist von „wir“ die Rede – plötzlich interessiert das wieder, dieses Wir. Zuletzt trat es bei Occupy Wall Street auf und protestierte gegen ein ökonomisches System, das die Superreichen nicht nur begünstigt, sondern bedient, den Rest der Bevölkerung aber marginalisiert, wenn nicht terrorisiert. Es ging um Chancen, um Teilhabe und um echte Demokratie. Die Kritik damals zielte auf die wirtschaftliche und politische Elite des Landes, die kaltblütig und fahrlässig die Zukunft verzockt. Nun, fünf Jahre später, fokussiert sich der Widerstand auf diesen einen dreisten Mann und sein armseliges Gefolge. Er vollzieht, was die Mehrzahl der Amerikaner wünschen: einen Ausstieg der USA aus den internationalen Verpflichtungen, ein Ende der machtpolitischen Überdehnung, ein Ende auch der unglückseligen Rolle als Weltpolizist, der – kaum gerufen – nahezu alles falsch macht. Mag sein, daß dieser politische Autodidakt Lesben und Schwule haßt, Frauen verachtet, wenn sie nicht vor ihm auf die Knie gehen oder verführerisch lächeln. Erst macht er Witze über Mexikaner, dann lobt er sie zynisch für ihren Fleiß. Doch legen sich diese Portrait- und Karikaturzeichnungen vor etwas Entscheidenderes, nämlich die wirtschafts- und militärstrategische Ausrichtung einer frustrierten Supermacht. Von Künstlern hält How to Get Rich sicher auch eher wenig – wollen „wir“ ihm das auch noch vorwerfen? Wie überaus rührend von „uns“, daß wir annehmen, die Leute vor ihm seien politisch anständigere Menschen gewesen. Daß sie so sprechen, wie wir es mögen, bedeutet nicht, daß sie etwas für uns getan haben. Vielleicht sollte in Zukunft und guter Ruhe geklärt werden, wer wir sind, ob uns etwas und was uns eint. Europa darf sich jetzt selbst verantworten – das ist die gute Nachricht. In diesem Sinne klart es eher auf. Und die AfD wird scheitern, denn sie regiert nur die dumme kleine Angst.
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