Nachts unter den nahen Sternen (Kerouac 2)

Ebenfalls in dieser Erzählung von Kerouac das Folgende:

„Was für seltsame liebliche Gedanken kommen dir in den Bergeinsamkeiten! – Eines Nachts wurde mir klar, wenn man auf Menschen verständnisvoll eingeht und sie ermutigt, dann bekommen ihre Augen einen komischen kindlich frommen Ausdruck, denn was immer sie getan haben, sie waren sich nicht sicher, daß es richtig war – sanfte Lämmchen überall auf der Welt.

Denn wenn dir klar ist, Gott ist Alles, dann weißt du, daß du alles lieben mußt und sei es auch noch so schlimm, letzten Endes war es nämlich weder gut noch schlecht (denkt nur an den Staub), es war einfach das was war, das heißt das was sichtbar gemacht wurde. – Eine Art von Schauspiel zur Belehrung, ein ‚geringgeschätztes Wesen göttlichen Wirkens‘.

Und ich begriff, daß ich mich nicht in der Einsamkeit verstecken brauchte sondern die Gesellschaft – wie eine Ehefrau – in guten wie in schlechten Zeiten akzeptieren konnte – ich sah, daß es ohne die sechs Sinne, das Sehen, Hören, Riechen, Tasten, Schmecken und Denken, das Selbst dessen, was nicht existiert, keine wahrnehmbaren Erscheinungen geben würde. […]

Ich lag nur da, auf der Bergwiese im Mondschein, den Kopf im Gras, und hörte die stumme Anerkennung meines vorübergehenden Kummers.“


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Nachts unter den nahen Sternen (Kerouac 2)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert