Vierzig Jahre alte Nachrichten: Filme, Tonaufnahmen (Songs) oder dieser Wein: 1976er Auslese, Rheingau, Rüdesheimer Berg Roseneck, Riesling, Erzeugerabfüllung. Der Korken ist feucht und schwer, durchtränkt, doch noch dicht. Geschmack: süße Säure, würzig, dennoch frisch. Schmeckt nach Erfahrung und vierzig Jahren guter Abgelegenheit. Ich habe die Flasche gehütet, eigentlich nur aufbewahrt. Sie kam auf mich, wie die Altertumswissenschaftler sagen. Nun koste ich ihren Inhalt wie ein Unbeauftragter, etwas schamhaft. Als koste man schwebendes Gold, als habe man teil an einem Geheimnis, das sich Schluck für Schluck erschließt. Ein wenig unheimlich, ein wenig unentschlossen. Sind die Geheimnisse der Vergangenheit denn zu erschließen? Was haben wir gemacht, was ist geschehen? Vielleicht trinke ich Gift. Ab heute (Impuls) lebe ich anders. Die Schlucke steigen zu Kopf. Verwandlung aus der Tiefe. Diese Erfahrung ist konzentriert und farbschön wie Bernstein, die Tränen der Göttinnen. Wisch die Tafel. Unvergessen. Morgen ist jetzt, ich lebe. Das ist eine Sache, bescheiden und wichtig, jedenfalls ungelogen.
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