Stift und gebundenes Papier

Warum schreibst du das auf? Was schreibst du da überhaupt auf in deinem Buch?

Ich soll nun antworten. Der mich das fragt, hat zuvor auf seinem Smartphone hantiert, mindestens so konzentriert wie ich. Er hat vermutlich mehrere Sphärenwechsel vollzogen, von privat nach öffentlich und zurück. Die vielen Seiten der Welt. Er fragt wie ein Kind, darum muß ich angemessen antworten. Ich sage in etwa (und beginne bei Frage zwei):

Meistens schreibe ich erstmal, wo ich bin. Zum Beispiel hier. Manchmal fällt mir plötzlich etwas ein, dann notiere ich schnell, bevor es wieder weg ist. Kann nur ein einzelner Satz sein, der mir gefällt. Gern schreibe ich über das Wetter. So fange ich an, und dann fällt mir bald was Neues ein. Was mir einfällt, fällt mir oft nur deshalb ein, weil ich dasitze und schreibe. Wenn ich mich unterhalte, fällt mir das meiste nur deshalb ein, weil ich mich unterhalte. Ohne die Unterhaltung gäbe es die Sätze gar nicht, kaum die Gedanken.

Damit leite ich über zu Frage eins: Ja, was das soll, frage ich mich oft. Eigentlich ist es nicht wichtig, aber ich habe mich daran gewöhnt, es zu tun. Jetzt kann ich kaum noch anders. Vermutlich ist es ein Zeitvertreib, so etwas wie Schnitzen in Holz oder Töpfern oder Papierfiguren falten.

Dann fällt mir etwas Wichtiges ein: Wenn ich etwas notiere, ist es nicht mehr in mir, sondern dort. (Ich zeige auf mein Buch.) Es bedrängt mich nicht mehr, sondern liegt vor mir wie etwas Objektiveres.

Meistens komme ich nicht so weit in meinen Ausführungen, weil der andere es ja gar nicht so genau wissen will. Das wiederum ist nicht schlimm, denn nun kann ich ja weiterschreiben, zum Beispiel darüber, warum Menschen sich recht schnell zufrieden geben und abspeisen lassen. Sie denken, sie wüßten längst genug. Auch das ist nicht schlimm, vielmehr ganz normal.


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