Wenn man mich ließe, schriebe ich nur noch Bekenntnisse und Geständnisse, ich schriebe mich um Kopf und Kragen und hätte anschließend Lust auf noch mehr. Da man mich nicht hindert, könnte ich es tun. Doch wer will das lesen, und lohnt es wirklich? Mir fehlt der Beichtstuhl, auch wenn ich ihn für höchst fragwürdig erachte. Die Kinder, die noch nicht wissen, was Sünde ist, erfinden in ihrer Unschuld kleine Vergehen, die sie dem Beichtvater vortragen. So werden sie eingeübt in die Praxis des Sich-frei-Sprechens und Freigesprochenwerdens. Die bürgerliche Psychologie hat diese therapeutische Aufgabe übernommen, methodisch ausgebaut und wissenschaftlich untermauert. Die Bedürfnisse haben sich dabei wenig verändert. (Mittlerweile bedienen sie sich zunehmend der Öffentlichkeit, die im schlimmsten Fall auch als Abort in Funktion treten kann.) Man möchte etwas loswerden, damit es außen ist und nicht mehr innen. Für moralische Menschen ist das Teil der Hygiene. Große Geständige der Literatur sind der Marquis de Sade, Henry Miller, Jean Genet, Géza Csáth, Arthur Schnitzler, Günter Steffens, Louis-Ferdinand Céline. Letztgenannter läßt sich auf diese Weise überhaupt nur verstehen. Auch Ernst Jüngers Frühwerk über den Krieg und das Kriegserlebnis ist Geständnis. Nur Männer auf dieser Liste. Sind sie die größeren Sünder oder brüsten sie sich auch noch mit ihren Schandtaten? Ich denke, sie sind es, die daraus ein Thema machen müssen. Das hat Gründe, die über den Tellerrand dieses Beitrages hinausführen, und ich weiß auch noch nicht wohin.
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