Es ist gut, „in die Jahre“ zu kommen. Wenn es nicht gut ist, so immerhin unvermeidlich. Ich werde älter. Altern ist keine Tätigkeit, sondern ein Vorgang. Ich spüre ihn. An ihm ist nichts auszusetzen, weder prinzipiell noch individuell. Für manches bin ich allmählich zu alt. Mich interessiert nicht, welche Bar cool ist. Vor zehn Jahren fand ich das manchmal noch wichtig, weil ich glaubte, dort seien diejenigen Menschen anzutreffen, nach denen ich mich sehne, die ich brauche, auf die mein Leben angelegt ist und umgekehrt vielleicht auch. Irgendwo müßten wir uns schließlich begegnen.
Mit dem, was jetzt als cool gilt, möchte ich nicht in Verbindung gebracht werden. „Cool“ ist für mich eine Kategorie abnehmender Wichtigkeit. Deshalb werde ich bald darüber schreiben. Da ich nämlich ein Junge war, der genau begriff, mit welchen Bewegungen und Gesten es manchen Jungen gelang, die Mädchen dazu zu bringen, ihnen nicht nur zu vertrauen, sondern sogar zu folgen, fragte ich mich: Das sollte cool sein? Ich studierte das schmale Repertoire und kam zu dem Schluß, daß ich es ablehne. Das meiste an diesen Coolen war eine Spur zu billig, und wenn ich selbst versuchte, billig zu sein, schlugen meine Versuche augenblicklich fehl. Deshalb glaube ich nicht an die freie Wahl der Mittel. Jeder lebt sich so, wie er kann, daran ist nichts auszusetzen, kaum etwas zu verbessern.
Das verwirrende Spiel von Anziehung und Abneigung beginne ich erst jetzt zu verstehen, durchaus langsam, meinetwegen verspätet. Ich bin diesem Spiel nicht vollends entzogen, doch ich agiere und reagiere zögerlich. Das hat seinen Grund nicht darin, wie ich zunächst glaubte, daß ich ängstlich bin oder scheu. Ich forsche vielmehr nach einem tieferen Verständnis dessen, worum es eigentlich geht, wenn eine Frau und ein Mann sich zusammentun und zusammen bleiben, und was sie dann zusammen tun. Denn die Verbindung soll ja nicht eine weitere Leere ergeben, sondern Sinn und Fülle.
Das wiederum klingt mir plakativ und eingängig, weshalb dieser Eintrag unvollendet endet. Vollendung ist selten ein menschliches Geschäft. Jeder weiß das, man wird verstehen. Die Überschrift stimmt auch nicht.
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