Frühmorgens erwachen und der Maschinerie lauschen. Räder rollen, Motoren dröhnen. Alles blickt nach vorn und rammelt sich durch, stemmt sich an den vorgesehenen Platz und tut dort das Vorgesehene oder pfeift sich erstmal eins. Türen werden geöffnet für den heiligen Verkehr, es wird verkauft und verhandelt, nichts sonst. Für die eigene Sterblichkeit ist bei solchem Betrieb nichts drin. Morgens gibt es kein Pardon, die wollen alle nach vorn. Spring aus dem Weg, das sind wütende Menschen. Morgenmuffeliges Abendland. Die Rasierer sind so scharf, daß sie hinter Gitter müssen, die Wimperntusche ist klebrig und klumpt. Draußen sind die Blicke wie stumpfe Messer, die sich ins Fleisch arbeiten. Doch die Räder rollen und die Zahlen tanzen, denn es wird verbucht. Bleib liegen, schlaf dich aus, aber vergiß nicht die Maschine. Sie vergißt dich nicht und wird dich nicht vergessen. Deine Opfer sind ihr zu gering, du sollst zahlen. Für den Wohlstand der Nationen, für die Sicherheit des Westens, für das Hauptprogramm mit Stars und echtem Blut. Was soll man tun, was darf man hoffen, wer erkennt hier irgendwas? Vor allem – wer hat sich das ausgedacht? Dieser lärmende Aberwitz von Leben, in dem es gelingt, aus dem Schönen eine Scheußlichkeit zu machen. Jemand schreibt ein Lied und singt es – schon bekommt er einen Plattenvertrag und soll ins Radio oder Fernsehen. Das will er auch, er hat nichts anderes gelernt. Dabei hat er doch nur ein Lied geschrieben, was kann denn das Lied dafür, daß die Maschine es will! Distribution ist alles, sagt einer. Wir bringen dich groß raus, ein anderer. Doch wozu? Was wird dadurch besser? Soll Ruhm mich oder dich trösten dafür, daß wir einmal traurig waren oder den Glauben an die Liebe verloren haben, zwischendurch? Oder nicht genau wissen, wer wir eigentlich sind, und deshalb Antworten brauchen, die so laut und hell sind, daß niemand sie übersehen oder überhören kann, nicht einmal wir selbst? Sie reden dauernd von Ehrgeiz oder schöner noch: von Ambitionen (lieber viele als nur eins), und diese Ambitionen sind ebenfalls seltsam, bei näherer Betrachtung. Jemand will der schnellste Rennfahrer der Welt sein, ein anderer strebt ins Guniness-Buch der sinnlosen Rekorde. Hauptsache, die Leute haben etwas zu tun, dann kommen sie nicht auf dumme Gedanken. Deshalb stürzen sie sich auch in diesen Morgen wie die Geier in ein Stück Aas und reißen sich Fetzen heraus aus dem Stück Leben, das gerade im Angebot ist. Sonntagnachmittage sind eigenartig genug, da soll man nicht zuviel schreiben.
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