Von der guten Wirkung der Wörter

Eben noch wollte ich Berlin verlassen, doch kaum habe ich ihn notiert, ist der Wunsch kleiner geworden. Eigentlich fühle ich mich hier wohl. Manchmal fühle ich mich hier eingesperrt und den Landschaften so fern: dem Himmel verloren, der Erde unbekannt, dem Wind ein Rätsel. Dann möchte ich fahren, weit hinaus und fort auch aus diesem Land, in dem die Sprache mir so nahe ist wie weh. Sie schwächen mich beide, manchmal. Ich müßte woanders sein eine Weile, damit sie mich wieder stärken können. Das ist leicht zu verstehen. Ebenso leicht zu verstehen ist, daß es hilft, die Dinge zu sagen, die einen beschweren und verdrießen. Denn wenn sie gesagt sind, sind sie heraus. Ihre Last liegt nun draußen, wie vor dem Haus oder auf einer Karre. Das ist sehr erleichternd. Wer einmal eine Sorge losgeworden ist, weiß, wie schwer sie gewogen hat: sie widerrief den aufrechten Gang. Wenn ich die Last los bin, kann ich frei und neu bedenken, was die Sorge mir sagen kann und was nicht. Ebenso die Wünsche. Sie schießen empor wie Unkraut und zeigen an, daß der Boden fruchtbar ist. Doch was soll denn gedeihen? Erst die Entlastung, dann die Entscheidung.


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