Sonnenstunden

Der Nachmittag dehnt sich, kein Lufthauch bewegt die weißen Vorhänge. Siesta. Kaum Geräusche, nur einmal eine Stimme, die Kinder vertreibt. Selbst den Spatzen scheint es zu heiß zu sein. Gestern noch tollten und lärmten sie herum. Einer saß auf der Fensterbank, struppig und neugierig, sah zu mir herein. Ich grüßte, er flog fort. Sich nach vorn werfen und fliegen, in vollem Vertrauen auf das eigene Geschick. Von Zeit zu Zeit schießt steingroß ein Vogelschatten über die helle Leinwand. Eine Fliege summt durch den Raum, setzt sich endlich und ist still. Als sei ich ein Fischer, hängt über dem Schreibplatz ein schönes Netz, von Spinnen gewebt und gut ausgerichtet. Sie sind die Luftfischer. Auf dem Teppich liegt Franz Kafka, Brief an den Vater. Eine trostlose Lektüre. Man möchte diesen ewigen Sohn aufmuntern, doch womit. Nun die Rückkehrer, Spatzenstimmen vor dem Fenster. Die Sonne steht noch hoch, der Nachmittag geht langsam zuende, wie ein Musikstück über die Stille und das Schweigen im Schatten.


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