Manchmal erkenne ich – von einem Augenblick auf den anderen – daß diejenigen, die mich mögen und mir das ausführlich genug zeigen, zugleich jene sind, die mich töten könnten. Nur sie wären dazu fähig, allein sie hätten ausreichend Gründe aufzubieten – falls man nach der Tat Zeit fände, sie zu fragen, was sie bewog. Nähe schafft das schreckliche Bedürfnis, den Nächsten loszuwerden, und zwar schnell. Daß darüber nicht gesprochen wird, zeigt an, daß es sich um ein Tabu handelt. Tabu bedeutet unberührbar – man darf nicht eindringen, nicht befragen, forschen, befingern. Tabu bedeutet unverletzlich, heilig – etwas soll nicht nur hingenommen, sondern respektiert werden; ihm gebührt Achtung. Sonst drohen die Perversionen der rückwändigen Wahrheit, die im Schatten des Schönen und Guten lauern. Mögen sie unaufgerufen bleiben! Wer von den Schrecknissen wirklichen Wissens nichts wissen möchte, verschließe sich Augen, Ohren, Mund, Nase und taste sich durch, bis eine warme Zunge dankbar die ausgestreckte Hand leckt. Ein Hund offenbar, und Schopenhauer grinst unbefugt aus seinem Grabdenkmal unter der Frankfurter Hecke. Pasolini hätte besser verstanden, worum es geht. Liebe ist dem Mord nahe, daher der frivole Kitzel.
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