Sicherheit, Schutz und Schamlosigkeit

Was bei diesem Gipfel der Zwanzig vor allem ins Auge sticht, ist der gigantische Aufwand, der getrieben wird, um die Staats- und Regierungschefs samt ihrer Delegationen vor etwas zu schützen, das offenbar wie aus dem Nichts kommen kann, jedenfalls nicht nur befürchtet, sondern erwartet wird.

Das ins Monströse gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Mächtigen schlägt um und wirkt seinerseits gefährdend und attackierend. Auch in Hamburg leben Menschen, die ein Recht darauf haben, sich frei zu bewegen. Ihren Lebensraum für einige Tage zur Festung auszubauen, um einen Macht- und Ohnmachtskongreß aufzuziehen, der woanders problemlos hätte veranstaltet werden können, ist ignorant und arrogant.

Die Großstädte sind umkämpftes Terrain, fast immer siegt das Geld. Die finanziell Schwächeren (man nennt sie „sozial schwach“, als sei es das) werden verdrängt und verlieren ihre Heimat. Angst und Unmut. Der freie Wohnungsmarkt ist nicht nett, er ist übrigens auch nicht frei, es muß bezahlt werden. Wer nicht kann, ist raus. In diese Lebens- und Überlebensverhältnisse hinein installieren Stadt und Staat ein „Happening“, wie es obszöner kaum mehr geht. Obszön heißt schamlos. Es ist schamlos, ein Stadtgebiet lahmzulegen und faktisch zur Sperrzone zu machen für ein eitles pseudopolitisches Tête-à-Tête.

Wem gehört die Stadt?

Im nachhinein nun die bekannten Debatten über Gewalt und Gegengewalt. Alle sollen friedlich sein, niemand gewalttätig werden. Aber die Welt ist voller Gewalt, in den Regeln unseres Gesellschaftsspiels stecken, kaum verborgen, immer schon Gewalt und Herrschaft. Die bekommen wir nicht aus dem Spiel, aber dann tun wir doch bitte nicht, als seien sie es.

Das Gewaltmonopol des Staates ist eine Errungenschaft – aber schützt denn der Staat wirklich seine Bürger und gleichermaßen? Das ist keine rhetorische Frage; sie ist es allein deshalb nicht, weil ich dann mitmachte beim zynischen Spiel um die Schuldzuweisung.

Hamburg und der Kongreß hätten sich einander sparen sollen, so viel immerhin wissen jetzt alle, ein paar Tage zu spät. Der Bürgermeister wollte die harte „Hamburger Linie“ der Polizei. Von den Einsätzen der Berliner Polizei am „revolutionären 1. Mai“ hätte er lernen können, wie man erfolgreich deeskaliert und moderiert. Er wollte nicht lernen, er und die Seinen meinten es besser wissen zu können. Nun fordert die CDU-Opposition seinen Rücktritt. Immerhin das ist lustig, sonst nichts.


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