Während in irgendeinem Früher, das nicht sehr weit zurückliegen kann, die Beobachtungen und Bemerkungen und Meinungen jenem galten, was unmittelbar vor Augen geschehen war oder ein Vertrauenswürdiger zur Not auf Eid beschwören mußte (konnte), gelten sie nun vermehrt einer Aufbereitung audiovisueller Realität aus zweiter Hand. Das macht einen derart entscheidenden Unterschied, erkenntnistheoretisch wie -praktisch, daß ich über die Arglosigkeit staune, mit der die ausgesuchten und aufbereiteten Bilder, Szenen und Situationen diskutiert werden. Reaktionen so, als sei man selbst dabei gewesen. Keinerlei Skepsis, nahezu blindes Vertrauen. Eben noch Faszinosum Rundfunk, dann Fernsehen, jetzt Faszinosum neue Medien. Doch Medien sind Mittler, sie moderieren zwischen Ursache und Wirkung und bestimmen diese. Um die Gegenstände des Interesses liegt ein Halo, ein Lichtring von Spiegelung und Blendung. Geht das so weiter, wissen wir demnächst nicht mehr, was wir wissen, vor allem nicht, woher. Der Boden schwankt, die Bilder wanken. Wer kann was beurteilen? Ist den Informationen (süßes unschuldiges Wort) zu trauen, von wem stammen sie, was sollen sie bewirken? Konsumenten sind die nützlichen Idioten des Verzehrs. Das sind wir alle. Verzehrt wird das Angerichtete, gezahlt wird in Illusion. Die ist unschätzbar teuer.
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