Vorräte schaffen, sich selbst anreichern, endlich bewohnen und die Gänge entlang zu den Gemächern oder hinab in die Katakomben, wo die Ängste sich eingenistet haben, um zu beköstigen

Mit den Jahren wird man reich. Innerlich reich, fast erfüllt schon. (Mag sein, daß etwas fehlt, aber irgend etwas fehlt meistens, manchmal nur ein Feuerzeug oder ein Stift oder Schlüssel.) Erlebnisse, die sich zu Erfahrungen zusammengefunden und geklärt haben. Zahllose Bilder, Stimmen, Gerüche und Geräusche, die zu Szenen gehören, denen das Drama der eigenen Existenz verpflichtet ist – oder sie ihm. Wiederkehrende Motive, musikalisch, filmisch oder erzählerisch, wiederkehrende Situationen und Konstellationen, als habe man seine Hausaufgaben schlecht gemacht oder gewisse Lektionen nicht bestanden. Ich brauche keine Erlebnisse, sagte ich gestern, am achten Tag meiner Freiheit (wie gefangen wir sind), als sei ich satt. Ich bin nicht satt, ich bin nicht situiert, ich wäre es gern ein wenig mehr. Doch daraus wird nichts, da mein Geschick anderen Sternbildern folgt.

Aber ich stoße auf Leute, die können aus sich selbst (noch) nichts nehmen, die sind (noch) wie Kinder, denen langweilig ist, wenn sie niemand bespaßt oder ihre Aufmerksamkeit fesselt. Offenbar muß man es gezeigt bekommen und lernen oder dafür begabt sein: in den eigenen Bildern, Geschichten und Stimmungen zu leben wie in großen Räumen und sich selbst zu bewohnen wie einen Palast voll der Schätze und Reichtümer, in dem es noch die dunklen Ecken und Geheimnisse gibt und etwas, das spukt und geistert. Auch dorthin läßt sich steigen, sogar freiwillig, wenn auch nicht ohne Furcht. Die Furcht vor der Angst, vor den Spinnen, die ihre Netze spinnen, in denen sich findet, was niemand mehr sucht. Es ist dort sehr still, so still, daß man die Stimmen hört. Das Hier und Jetzt ist tausend Stockwerke tief.


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Vorräte schaffen, sich selbst anreichern, endlich bewohnen und die Gänge entlang zu den Gemächern oder hinab in die Katakomben, wo die Ängste sich eingenistet haben, um zu beköstigen

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