In der Brandung

Wenn ich einen Brief schreibe oder einen Eintrag oder eine Kurznachricht, die mehr enthält als Technisches oder Organisatorisches, ist das Geschriebene stets eine Art Situations- und Zustandsbericht. Es zeigt, was ich derzeit zu denken und zu sagen vermag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es handelt von der Strömung, in der ich schwimme. Manchmal bilden sich Wirbel und Strudel, da muß ich achtgeben. Einen Tag oder auch nur eine halbe Stunde später entstünde ein veränderter Bericht, ergäben sich andere Sätze und Aussagen. Deshalb gefällt mir die Metapher vom Logbuch.

Ich weiß, daß es Menschen gibt, bei denen das nicht so ist. Deren Sätze handeln nicht von Strömungen und Strudeln, deren Texte sind wie Felsen in der Brandung, die stehen jeden Tag fest, bei Wind und Wetter. Weckte man sie des Nachts, wären sie immer noch Felsen und sagten dasselbe wie an hellem Tag. Das Wasser fürchtet den Felsen nicht, es ist der Schwimmer, der ihn fürchten muß.


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