Wörter und Sätze aus der Enge

„Und ihre Vorstellungen konnten nicht aus ihnen herauskommen, sie konnten sich nicht ausdrücken, sie konnten sich körperlich nicht ausdrücken. Sie waren voll Wörter und voller Sätze im Kopf, voller Ansichten, die durch Wörter und Sätze reguliert wurden. Und es waren überall furchtbare Mauern, Gummiwände – als ob man in einer ganz verrückten Gegenwart lebt, wo alle Sätze und Verhaltensweisen Gummiwände sind. — Ich bin kein Dichter – ich fühle den Schmerz, ich fühle die Gummiwände, ich fühle die furchtbaren Gummiwände, die furchtbaren Mauern, die Brandmauern, die engen Abteilungen, in denen jeder lebt, und dann – sage ich mir: scheiß drauf. — Die Gegenwart ist ein Verrücktenhaus, voller Gummiwände, voller Mauern, voller kleiner Räume, in denen lebendige Körper leben – und da sollen sie sich ausdrücken? Ein riesiger Unsinn, ein riesiger Unsinn, der läuft, und jeder möchte den Unsinn noch weiterprogrammieren.“

Rolf Dieter Brinkmann, Tonbandaufzeichnung 1973


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