Ist einer einzeln, fühlt er sich schlecht, denn er fühlt sich allein. Es ist nicht gut für Menschen, zu oft allein zu sein, denn allein sind sie schutzlos, das wissen die Instinkte. Man sagt wissenschaftlicherseits (Anthropologie), „der Mensch“ sei instinktarm und schon deshalb aufs Denken und Experimentieren gekommen. Das mag sein, doch wie viel an dieser Theorie ist Eitelkeit? Eitelkeit eines Emporkömmlings in der Entwicklung oder Entstehung der Arten, eines Wesens, das sich vor den Tieren auszuzeichnen trachtet und die Unterschiede überbetont? Offene Fragen, auf die unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Antworten gegeben haben und geben werden. Humanismus und Aufklärung haben den Stolz des Denkens, des Selbstbewußtseins und Unterscheidens gelehrt – als eines menschlichen Vermögens. Für solche Anmaßung trägt der „westliche Mensch“ seitdem die volle Last seines Unterschiedenseins. In der Anmaßung ist aber fraglos der hohe Mut eines Ausgesetzten enthalten, der sich weit hinauswagt. Deshalb auch Rilkes Gedicht Ausgesetzt auf den Bergen des Herzens.
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