Lernen ist einfach, studieren ist einfach, leben ist schwer. Wie lebt man denn? Wer erklärt es, zeigt es, macht es vor? Es, das Schwierigste: das Schwierigste für ein Lebewesen, dem Entscheidungen und Begründungen abverlangt sind. Eines Wesens, das aus einer Tradition kommt (Herkunft) und in eine Zukunft will (Plan), aber nicht einmal weiß, wie ein einzelner Tag funktioniert, innen und außen; nicht einmal weiß, wie es aufgebaut ist und woraus, was die Konsequenzen einer Entscheidung sind oder eines Widerrufs. Mehr Gnade demnach bitte, auch mit sich selbst. Wir irren herum und nennen reichlich arrogant unsere kleinen Funde Gewißheit. Das ist nicht nur übertrieben, es ist dumm. Nun, so sind wir auch noch dumm, nachdem wir kürzlich erst glaubten, wir seien schlau. Das seltsam schöne und befremdliche Leben führt uns herum am Gängelband unserer Schwererziehbarkeit, wir sind beeindruckt von geglückten Lektionen und hoffen auf ewigen Aufstieg (oder fürchten ihn, jeweils mit Gründen). All das führt sich so fort in die Ewigkeit, die nichts weiter ist als eine Chiffre für Unüberschaubarkeit. Leben, dieses Blinde-Kuh-Spiel für beherzte Anfänger und gescheiterte Strategen. Leben, dieses Ich-kann-nicht-sagen-was-aber-möchte-sprechen. Ja, aus solchen Widersprüchen wächst und besteht der lebendige Mensch, ich bin einer von denen und muß sprechen, aus guten Gründen gewiß.
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