Großer Wutanfall heute, vielleicht lese ich den morgen

Ein Tag ist ein Tag ist ein Tag. Morgen lesen wir, siehe unten. Passend dazu hatte ich heute einen schönen und langanhaltenden Wutanfall, die Wörter schossen aus mir heraus, als sei ich eine Maschinenpistole, prasselten hernieder, als sei ich eine fette schwarze Regenwolke, die ihr Wasser nicht mehr halten kann. Was hat mich aufgeregt? Nichts anderes, als daß wir uns verstecken, auch mit unserer Lesung — daß wir derart süß und schüchtern sind, daß wir nicht einmal für uns werben, jedenfalls nicht richtig, demnach also gar nicht an uns glauben oder nur hinter vorgehaltener Hand. Nicht einmal die Freunde mag man behelligen, sicher haben sie Besseres vor — so vornehm verlogen und rücksichtsvoll sind wir. Aber das, was wir morgen zeigen, ist das, was wir tun: wir schreiben, wir komponieren, wir spielen, und zwar mit allem Können und aller Leidenschaft, derer wir fähig sind. Was ist bloß in uns gefahren, daß wir so dezent geworden sind? Schieben wir es nicht auf „unsere Zeit“, denn diese Zeit ist sehr geeignet, Großes und Bedeutsames zu schaffen: und sei es nur, um aus der erbärmlichen und faden Determiniertheit der Verhältnisse auszubrechen, den Tag anders zu beginnen und anders zu beenden als mit einem langgezogenen Gähnen. Wir sehen uns morgen oder nachher.


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