Werben für Deutschland

Wahlplakate: Bekannte Gesichter, gemischte Gefühle. Buchstabenkombinationen: C steht für christlich, A für Alternative, S für sozial, F für frei, D immer für Deutschland, Grünen wird ausgeschrieben, Linke auch, beide mit Die davor. Parolen: Sicherheit, Ordnung, weiter so, Digitalisierung, Fortschritt, Wohlstand, Europa, Ausländer, Familie, Gerechtigkeit, nicht mehr der Euro. Farben: schwarz-rot-gold, grün, pink und sonstwas. Links ist Protest, lese ich und denke dabei: Ja, mehr aber auch nicht. Die C-Leute baggern sich an die Familien ran und versprechen dies und das, die S-Leute reden von Gerechtigkeit, die es nur gibt, wenn alle gleich sind. Dann müssen wir ja lange warten. Kanzlerin Merkel ersetzt ein ausgeschriebenes Parteiprogramm, Kandidat Schulz hängt irgendwo fest, niemand weiß wo. Die Grünen lassen texten, statt sich selbst Gedanken zu machen: DIE UMWELT IST NICHT ALLES, ABER OHNE DIE UMWELT IST ALLES NICHTS, in lesefeindlichen Großbuchstaben. Die Freien Demokraten fragen ganz aktuell, ebenfalls in Majuskeln: DIE DIGITALISIERUNG ÄNDERT ALLES. WANN ÄNDERT SICH DIE POLITIK? Jeder weiß die Antwort: NIEMALS. Warum nicht? Weil Politik nicht Pädagogik ist, auch nicht Bekenntnis, sondern Kompromiß, wieder und wieder nur Kompromiß. Und Kompromiß ist die Mitte zwischen gut und geht nicht. Niemand, den ich kenne, freut sich auf die nächste Bundestagswahl, niemand weiß jetzt bereits, eine Woche davor, wen oder was er wählen soll. Ich kann mich an eine solche Ratlosigkeit und die entsprechende Stimmung dazu nicht erinnern. Einige fürchten die Angst für Deutschland, ich fürchte sie nicht. Ich fürchte, daß wir eines Tages dasitzen und uns fragen werden: Wer hat eigentlich wann und wie die Demokratie kaputtgemacht?


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