Spiel und Verweigerung

Als ich geboren wurde, prüfte das Leben mich, ich kam zu früh. Ich hätte verstoßen werden können, doch ich wurde angenommen und trotz des nicht unerheblichen Handicaps akzeptiert. Ich weiß, daß das Leben selbst nicht handelt, sondern handeln läßt durch das, was lebt. Was lebt, lebt jeweils und konkret. Doch das (allgemeine) Leben geht durch dieses Besondere hindurch, indem es das (alles), was lebt, in seinen Dienst nimmt. Das, was lebt, ist dadurch, daß es lebt, bereits in Dienst genommen. Das ist es, was ich erst verstehen mußte. Dennoch gibt es Freiheit, zum Beispiel die, dabei nicht mitzuspielen. Was geschieht, außer daß ein gewisser Preis zu zahlen ist? Es geschieht, daß selbst die Spielverweigerung als Teil des Spiels zu erkennen ist, da sie außerhalb ihrer selbst nichts bietet. Worauf bezieht sich ein Spielverweigerer – doch wohl auf das geltende Spiel. Worauf sonst könnte Verweigerung sich beziehen? Außerhalb des Lebens liegen die Weiten des allgemeinen Todes, wir sind in alle Richtungen umgeben von kalter Gleichgültigkeit und Tod. Aus diesem Grund sind wir Mitspieler des Lebens und können nicht anders als dienen. Da ich zu früh kam, werde ich mich fortan nicht mehr sonderlich beeilen. Ich habe etwas mehr Zeit, bilde ich mir ein, um auf meine Art dienlich zu sein, dem Leben, gewiß nicht dem Tod.

 


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