Freiheit ist ein Lebensthema: ich könnte mich dazu bekennen, hätte nicht der vormalige Bundespräsident Joachim Gauck sie als das seine ausfindig und publik gemacht. Freiheit ist eher noch Motiv, nebenbei Wahlspruch eines Sammelsuriums verschiedenster Gesinnungen und Vorstellungswelten. Oft genug ist sie Vorwand für rücksichtsloses sozialökonomisches Handeln, offenbar in voller „Selbstermächtigung“, wie der „Bürgerrechtler der letzten Stunde“ das nannte.
Manche unterscheiden zwischen einem positiven und einem negativen Freiheitsbegriff. Die Freiheit zu etwas sei höher zu bewerten als die von etwas, doch ich frage mich, wozu diese Unterscheidung gut sein soll. Wenn ich vor etwas fliehe, dann ist mir wichtig, daß dieses Etwas mich nicht ergreift, dann ist jeder Ort besser als der, an dem ich gefressen werde. Man möchte die Freiheit pädagogisieren, sie einspannen und nutzbar machen. Das sollte man besser lassen, meine ich.
Wenn niemand mehr weiß, was Freiheit ist, wenn sie nur noch als Parole oder Redensart erscheint, ist der Zeitpunkt der totalen Sozialisierung gekommen. Dann bejahen wir freudig unsere Versklavung und krabbeln als bunte Ameisen durch leuchtende Konsumlandschaften und kommunizieren kostenpflichtig den ganzen Tag. Nein zu sagen erscheint als zu negativ. Es fehlt das Positive, das fröhliche Ja zu noch mehr Verbrauch und Verschwendung. Du und ich, wir sollen teilnehmen am Ausverkauf der Freiheit.
Und ich höre schon den Großen Therapeuten, der da sagt: Sie hat uns stets nur Angst gemacht, es ist gut, daß sie fort ist.
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