Eine Frau bewies heute abend das, was die Parteien, Parteisprecher und sonstigen Mikrophone lauthals verkünden: Courage. Ich bekomme dieses Wort auf die Schnelle mit Mut und Unerschrockenheit übersetzt. Jedenfalls hat es mit Energie oder Kraft zu tun. Die Frau, die Courage bewies (als müsse bewiesen sein), benutzte ihr schönes Telephon und forderte den Einsatz von Medizinern, um jene Frau zu versorgen, notzuversorgen, die wie ein Geist, wie eine fast schon Erstorbene durch die Gänge der Bahn stolperte und das sagte, was sie noch zu sagen vermochte: Bitte, bitte, bitte. (Mit polnischem Akzent; ich habe sie bereits erwähnt). Während ich sehr konventionell hinschaue und innerlich doch wieder wegschaue, abwinke, nichts mit der Sache (der Sache) zu tun haben will (gestreßt wie ich bin, überanstrengt wie ich bin, gerechtfertigt wie ich bin), hat diese Frau gehandelt. Sie forderte telephonisch den sofortigen Einsatz zuständiger Leute (ich weiß nicht, mit wem sie sprach, aber ich konnte sie hören, sie stand neben mir), bekam offenbar eine abschlägige Antwort, denn sie sagte sehr laut: Damit spielen Sie mit dem Leben eines Menschen, möchten Sie das verantworten? Während dies geschah, schlossen sich schließlich die Türen der Bahn, und dann war auch ich an meinem Ziel, stieg aus und kletterte die Treppenstufen hinauf ans Licht, das aus Abendhimmel und Schwarz bestand, und sah, daß die Bittende unter uns Aussteigenden herumlief, nicht gerettet, komplett verstört, bleich bis grün im Gesicht, kurz vorm Zusammenbrechen, Augen ohne Glanz, nur noch Arrest, Schicksalsgeschlagenheit, Demut durch Demütigung, ein Schlimmes, ein Schlimmstes. Sie taumelte unter uns hindurch oder durch uns hinauf; ich weiß nicht, wer hier was ist, und es ekelt mich, daß ich nicht weiß, wie ich handeln kann. Bereits diese Zeilen sind schlimmste Eitelkeit, denn eigentlich müßte ich doch tun, daß
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