Die Schlange beißt immer jetzt

Hineingeboren werden in diese eingerichtete Welt, laufen und sprechen lernen, eingeschult werden, ausgerichtet und abgerichtet werden, Orientierung gewinnen, navigieren lernen, unterscheiden und wählen lernen, Richtungsentscheidungen treffen, Wertentscheidungen treffen, Berufe und Lebensstile abgleichen, einen Platz oder Raum suchend, mit anderen im Austausch, permanent sendend und empfangend, sich eine Wirklichkeit und Weltsicht organisierend, Ansichten darlegend und vergleichend, Streitigkeiten austragend, Enttäuschungen verarbeitend, Mut und Entschlossenheit vortäuschend, sich eine Kapitulation versagend, hoffend, Sehnsüchte kultivierend, tastend vorwärts seitswärts und rückwärts  — und wer atmet jetzt eigentlich noch?

Welches Höllenprogramm habe ich bis jetzt durchlaufen und offenbar bestanden? Ich lebe, ich bin da, doch das reicht mir nicht, ich will noch weiter, irgendwohin. Ich bin ein Traber, ein Stehaufmännchen, eine Sensation. Dieses mörderische Einerziehungsprogramm bewältigt und durchgehalten zu haben – Respekt oder Beileid, Beileid oder Respekt.

Wir fangen klein an und sind gläubig, müssen vertrauen. Wir ahmen nach und geben unser Bestes. Man schlägt auf uns ein, nicht mit Händen, doch mit Wörtern. Wir stellen uns taub und aalen uns raus. Doch jeder verdammte Satz hat seine Wirkung getan, und schon kommt die nächste Ladung Menschheit angeschossen und wird notdürftig versorgt, da wir Krieg haben und keiner Zeit hat für die Jungen und Kleinen und Bedürfenden.

Über die Jugendlichen heute dieser Satz: „Sie kennen es ja nicht anders, sie ackern tagaus tagein. Uns gönnte man ja noch Freiheit.“


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