Übrigens glaube ich, daß man zum Beispiel deshalb lernt, um eines Tages Autor zu werden, Autor eines eigenen Lebens, nicht unabhängig, doch freigelassen von jener Autorschaft, die einstmals dort gesucht wurde, wo das Höchste vermutet war, nicht das Wahrscheinliche. Da wir nun aber heruntergerechnet worden sind, können wir ein stückweit mehr Autorschaft übernehmen, um diesen Niveauverlust auszugleichen, wenn auch nicht in Gänze. Anders als die interessierten und gebundenen Individuen aus Wissenschaft, Technik und Wirtschaft (Schnittmengenfraktion) denke ich an etwas höchst Unprofitables, nämlich die schöne und schwierige Verantwortung für Aufbau, Gestaltung und Ausgestaltung der eigenen und sozialen Wirklichkeit. Ich hoffe, das klingt nicht zu geschwollen. Ein Einfaches hat meinen Gedankengang in Bewegung gesetzt: Ich dachte: Wozu eigentlich Autor sein? Ja, um etwas zu schaffen, sicher. Aber was denn? Ein Werk. Aber was ist ein Werk? Ein Werk ist ein Kind, eine Geburt, ein Lebensversuch. Ein Lebensversuch wessen? Des Schöpfers, des Autors, des Urhebers – und des Kindes. Daher diese letzten Zeilen aus der Nacht zum 12. Januar bei 2 °C und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit. Wozu Schöpfer sein? Damit etwas begonnen sei außerhalb unser, damit der Sprung aus dem Kreis stattfindet, auch wenn er nicht immer gelingt. Leben heißt versuchen. Gegen die Stagnation. Erschöpft gebe ich mich für heute geschlagen. Autor – was für ein hochfahrendes Wort, sehr gut.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.