Feinstoff

Der Ofen zieht und macht Geräusche, die Kerzenflamme schlank wie eine Zypresse. Wärme und Gemüt, Gemütlichkeit und Wärme. Ich war in Wohnungen, da gab es nichts Anheimelndes, da lag die Fernbedienung auf der speckigen Couchgarnitur und die Katze verfolgte eine Konservendose Fisch über das blanke Laminat. Ich war in Wohnungen, da zog eines mit dem anderen zusammen; es waren abgestimmt Tisch und Stühle und Schränke und Regale mit Büchern und Nippes und dem Pfefferstreuer des bestimmten Mahlwerks laut Testbericht und auch die Weine. Dort war es nicht übel, nur die Seele fehlte. Was ist denn Seele, was ist Gemüt? Im Geschmack wird sie sich zeigen, denkt man. Ich neige nicht zu Plastik; Metall ist mir seltsam, doch ich spüre die Kraft. Holz scheint mir freundlich, textiler Stoff sehr vertraut. Steine achte ich, doch sollen sie woanders lagern, aufbewahrt, nicht in der Nähe meiner Hände und Sinne. Manchmal mache ich eine Ausnahme, das ist dann ein Fundstück von unterwegs oder ein Geschenk. Was ich bewundere, sind Federn. Niemand weiß bisher, was die Stoffe uns tun, was die Fein- und Stoffgeschichte lehrt.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Feinstoff

Ein Gedanke zu „Feinstoff“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert