Der Boden leicht gefroren, die Schritte federnd wie auf einer Kunststoffbahn. Vorbei an der Schule, die unter Bäumen steht, dort ein Spielplatz für die Kleinen unter einer mächtigen Eiche. An der Friedhofsmauer drei frierende und kichernde Jugendliche, es riecht nach Kif. Ich höre im Vorübergehen: „vom moralischen Standpunkt aus …“ Dann ist da eine Pforte, die geschlossen gehalten werden soll wegen der Wildschweine. Sonnenstundenspaziergang auf den Friedhof, die Gräber in hellem und scharfem Licht. Vornamen: Hermine, Hedwig, Martha, Elsbeth, Minna, Charlotte, Luise, Minka, Susanna, Geraldine, Meta. Vornamen: Helmut, Wilhelm, Gustav, Joseph, Paul, Anton, Heinrich, Joachim, Ernst, Friedrich, Siegfried. Die Steine der Toten vom April 1945 und Mai 1944 in Reih und Glied wie Soldaten, ein Mengengrab mit großem Holzkreuz, Blumen am Sockel, Schleifen mit Zeichen und Wörtern darauf, wir gedenken. Woanders die Toten des Ersten Weltkriegs, ein ebenfalls tennisplatzgroßes Feld mit eingesetzten Grabsteinplatten im Format DIN A4. Das Gras im Rauhreif knistert unter den Sohlen. Zwischen den Feldern der Weltkriegstoten das Grab eines Schauspielers, 1938-2016, Götz George. Er war ein junger Drauflos in einem der Winnetou-Filme, dann der nuschelnde Horst Schimanski im Tatort Duisburg. Später (1995) spielte er Fritz Haarmann in Der Totmacher von Romuald Karmakar und machte mir Angst. Noch später verlor ich ihn aus den Augen. Sein Vater war eine Legende, der Sohn hat sich wacker geschlagen.
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