Bei einem Gang durch die Viertel

Bei einem Gang durch die Viertel wurde deutlich, daß sie dort keine Veränderung wünschten. Die Verhältnisse bestanden aus gesichertem Grundbesitz, einem schmucken Haus mit Garten und einem Zaun oder einer Hecke darum. Auf dem Grundstück oder davor waren die Wagen abgestellt. Nachteilig war die große Entfernung zu einer Einkaufsgelegenheit, dafür war es still, fast unheimlich still. Eine ältere Frau mit Hund zuckelte über das Pflaster des Gehwegs, sie wirkte ein wenig verwirrt, vielleicht hatte sie Medikamente genommen. Eine schöne Blonde, mitten im Leben stehend und tatendurstig wie eine Jagdhündin, wartete auf ein Taxi und blinzelte in die Februarsonne. Ihr kam ein dickerer Mann im Mantel entgegen, der sie mit Namen grüßte. Ansonsten war es still, unheimlich still. Dann kam die Schnellbahn und zerriß die Stille. Nach Durchfahrt des Zuges schloß sie sich wieder, wie eine Wunde, die rasch verheilt. Wer möchte dort nicht wohnen, einen Steinwurf nah an den Gleisen, wo es still ist zwischen den Zügen und man einen Schuß hört über große Distanz. Der Himmel war blank und blau, die Meisen pickten an den Vogelringen. Es war schön dort und bürgerlich-einsam, die Häuser wiesen mit dem Giebel nach Süden, sie ähnelten Forsthäusern und waren genau richtig für eine Traurigkeit, die einen gar nicht mehr verläßt.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Bei einem Gang durch die Viertel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert